Um die Weihnachtszeit drumherum sitze
ich mit meiner Mutter am Küchentisch. Eine Pyramide steht auf dem
Tisch, sie wird jedes Jahr wieder ausgepackt. Sie besteht aus Holz.
Drei Rehe jagen sich gegenseitig, ohne sich jemals einzuholen. Wir
schreiben das Jahr 1987. Ich soll gerade eine Apfelsine essen und mag
nicht mehr. Meine Mutter versucht mich zu überreden und erzählt mir
von Vitaminmännchen, die da drin sein sollen. Was weiß ich, was das
ist. In dem Land in dem wir wohnen gibt’s Apfelsinen nur äußerst
selten zu kaufen. Und wenn, sind sie grün und man muß sich dafür
bevor der Konsum nach der Mittagspause wieder öffnet eine Weile
anstellen. Bei uns zu Hause gibt’s keine grünen Apfelsinen sondern orange.
Die schmecken angeblich auch besser, das sagt die Tante meiner
Mutter. Die muß es wissen, denn sie wohnt nicht hier, sondern im
Westen. In ihrem Land gibt es immer orange Apfelsinen und bei uns nur
selten grüne. Es ist doch kalt so vor dem Konsum zu warten; diese
Frucht gibt es immer wenn es kalt ist. Die Tante meiner Mutter
schickt uns Pakete mit verschiedenen Dingen und auch mit Apfelsinen.
Letztens waren es drei Pakete. Es ist immer aufregend dann.
Ein Jahr später:
Ich befinde mich in der Wohnung und
spiele – es ist Samstag Morgen. Es klingelt an der Tür. Jemand
geht aufmachen. Es stellt sich heraus, dass es die Post ist.
Irgendwas wird in den Hausflur gestellt, es scheint Pakete zu geben;
ich gehe gucken. Es stehen schon fünf Pakete im Hausflur und der
Postbote kommt nochmal und bringt weitere. Es kommt kalte Luft von
draußen rein. Meine Mutter hebt die Pakete an und wundert sich, denn
sie sind schwer, außerdem hatten wir noch nie soviele Pakete auf
einmal. Irgendein Geheimnis liegt in der Luft. Als der Postbote weg
ist, machen wir die Tür zu. Wir zählen zwölf Pakete! Es ist total
lustig. Wir haben an einem Tag zwölf Pakete bekommen! Sie sind alle
von der einen Tante meiner Mutter im Westen. Alle Kartons sehen so
graubraun aus und sind aus Pappe sie reichen mir fast bis zum Knie. Ich bin furchtbar gespannt was drin
sein wird. Meine Geschwister und ich laufen durch das Haus und rufen
die Großmutter. Die Tante meiner Mutter ist die Schwester meiner
Großmutter, sie sehen sich meistens im Sommer. Die Pakete werden
geöffnet und in einem nach dem anderen sind nur Apfelsinen drin. Ich
bin etwas enttäuscht. Es muß genau gekuckt werden, ob alle noch gut
sind, denn sie hätten auf der weiten Reise auch erfrieren können.
Ich glaube die Tante schaut sich immer den Wetterbericht an, bevor
sie die Orangen auf die Reise schickt. Wir haben die Früchte
sortiert und unter der Verwandschaft verteilt. Ich hätte mich auch
über irgendetwas anderes gefreut. Aber diese Früchte müssen ja
wohl etwas ganz besonderes sein.
Süße Geschichte :) und schön geschrieben ! Ich war quasi kurz dabei , obwohl ich eigentlich gerade in der kleinen griechischen Küche auf der Insel stehe und draußen die Sonne scheint !
AntwortenLöschenoch, das freut mich, und so war ich quasi auch für ein momentchen auf der Insel -- (-;
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